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Kolumne: Keine Frage der Bewertung

Bei der Bewertung der Aktienmärkte sind die Analysten derzeit geteilter Meinung. Die einen glauben, dass DAX und Co soweit gefallen sind, dass es nur noch aufwärts gehen kann. Die anderen verweisen dagegen auf das schwierige Marktumfeld, das die Unternehmen lange belasten wird. Dafür seien die Börsenwerte nach wie vor zu hoch. Bei nüchterner Betrachtung muss man einsehen, dass die Bewertungsfrage derzeit die Anleger nicht weiter bringt.

Zwar ist der DAX mit dem 12-fachen der erwarteten Gewinne im historischen Vergleich sehr günstig. Allerdings gilt die Ergebnisentwicklung als unsicher. Die zuletzt schlappen Wirtschaftsindikatoren deuten darauf hin, dass die Konjunktur in 2009 einknickt. Zusammen mit den Schwierigkeiten in der Finanzbranche könnten die DAX-Gewinne deutlich niedriger als bislang erwartet ausfallen. Die Gewinnvielfachen würden dann in die Höhe schnellen. Weit stabiler – und damit in Krisensituationen als Bewertungsmaßstab bestens geeignet – sind die Buchwerte. Das Verhältnis von Marktkapitalisierung zu Buchwert (KBV) liegt aktuell für die deutschen Blue Chips bei 1,6. Das ist fast die Mitte der Extremwerte aus den vergangenen Jahren: 2002 war das KBV für den DAX kurzzeitig unter eins gefallen, im Sommer 2007 lag der Wert bei 2,1. Letztlich lässt sich daraus nur eine sinnvolle Aussage treffen: Es gibt noch einiges Potenzial nach unten.

Wahrscheinlich ist es (zumindest im aktuellen Marktumfeld) erfolgsträchtiger, am Aktienmarkt auf Trends zu setzen und die Bewertung nur als weitere Größe in seiner Entscheidungsfindung zu berücksichtigen. Trends gehören nämlich zum Beständigsten, was es an den Finanzmärkten gibt. Aktuell verheißt das freilich nichts Gutes: Trotz der jüngsten Gegenbewegung sind die Abwärtsbewegungen bei den wichtigsten Indizes noch voll intakt.

In diesem Sinne

Wolfgang Braun

Wolfgang Braun ist Chefredakteur des „Global Performance“. Der seit 1999 erscheinende Börsenbrief hat sich auf deutsche Wachstums-Aktien spezialisiert. Dank einer ausgefeilten und bewährten Anlagestrategie schlägt das Musterdepot die Vergleichsindizes deutlich. So schaffte das Wachstumswerte-Depot seit seiner Auflegung im März 1999 eine durchschnittliche jährliche Performance von rund 18 Prozent – obwohl in diesen Zeitraum der dramatische Niedergang des Neuen Marktes fällt. Weitere Informationen unter www.globalperformance.de.

1 Kommentare zu “Kolumne: Keine Frage der Bewertung”

  1. Hohenmeiss vom 06.08.2009 um 09:01

    Wie gerne neigt mancher dazu, nach absoluten Zahlen zu schielen, um im Fluss der Dinge einen festen Halt zu haben!
    Ich kann verstehen, wenn jemand den Gewinn pro Aktien zu Rate zieht, die Dividendenrendite, oder das Verhältnis von Umsatz zum Nettogewinn…….aber auch das ist immer nur eine Momentaufnahme.
    Das KBV ist allerdings am wenigsten geeignet, denn es enthält zuviele variable Größen.
    Der Buchwert eines Unternehmens ist im Grunde nur dann wirklich zu ermitteln, wenn das Unternehmen verkauft werden soll.
    Die Marktkapitalisierung kann sich im Trend oder von Quartal zu Quartal verändern.

    Ein Index, wie der Dax, besteht aus 30 verschiedenen Unternehmen, die mehr oder wenig erfolgreich die kapitalistischen Zyklen durchlaufen.
    Der Blick auf den Dax sollte daher vom Blick auf die einzelnen Unternehmen bestimmt sein.
    Da helfen keine Verallgemeinerungen oder geistig fragwürdige Parameter.

    Was den Trend anbelangt, so muss man sich zunächst Eines klar machen:
    Jede Baisse und jede Hausse hat ihre Übertreibung.
    Ob in einem Zyklus nach oben oder nach unten mehr übertrieben wird, hängt vom Zeitgeist ab.

    Bei allem Chaosgetue, das wir letztlich den Banken und ihren Betrügereien zu verdanken haben, war 4600 der Boden in der vergangenen Baisse.
    Dann kam die Übertreibung nach unten mit rund 20 Prozent.
    Man sah die Gewinne plötzlich gegen Null gehen.
    Nüchtern betrachtet……und im Allgemeinen……gingen die Erlöse weltweit im Schnitt um 30 Prozent zurück.
    Dies meist im Vergleich zu einem Rekordvorjahr.
    Man hat in den letzten Monaten die Übertreibung nach unten korrigiert.
    Nicht mehr und nicht weniger……und auf der Seite der Unternehmen hat sich die Streu vom Weizen getrennt.
    Für Rückschläge, also für dramatische Korrekturen sehe ich keine überzeugenden Gründe.
    Trotz der Strukturkrise im Automobilbereich und im Konsum ist zum Jahresende ein Dax von 5600 durchaus wahrscheinlich.
    Hohenmeiss@t-online.de

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