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Kolumne: Kurzfristige Erholungschance

Fast 1.000 Punkte hat der DAX seit seinem Zwischenhoch Mitte Mai verloren. Die Stimmung unter den Anlegern ist mies, der Markt überverkauft. Das macht eine vorübergehende Erholung immer wahrscheinlicher, die den deutschen Leitindex durchaus 300 bis 400 Punkte nach oben treiben kann. Eine Wette auf eine solche Verschnaufpause ist aber gefährlich: Zuletzt wurden alle Erholungsversuche im Keim erstickt. Dazu sind die mittelfristigen Aussichten für den Aktienmarkt alles andere als günstig.

Die Fundamentaldaten trüben sich zunehmend ein. Goldman Sachs hat in einer aktuellen Studie für den europäischen Bankensektor einen zusätzlichen Kapitalbedarf von bis zu 90 Milliarden Euro ausgemacht. Während solche Summen noch zu stemmen sind, zeichnet Bridgewater Associates, der als zweitgrößter Hedgefonds der Welt in der Finanzbranche einen hervorragenden Ruf genießt, ein weit düsteres Szenario. Demnach soll die Finanzkrise Verluste von bis zu 1,6 Billionen Dollar verursachen. Bislang haben die Banken erst Verluste von rund 400 Milliarden Dollar eingeräumt. Behalten die Experten von Bridgewater Recht, muss mit weiteren Pleiten im Finanzsektor gerechnet werden.

Nachdem die USA nach Meinung zahlreicher Analysten bereits in einer Rezession stecken, trüben sich auch die Konjunkturperspektiven in Deutschland ein. Die Auftragseingänge in der Industrie sind im Mai den sechsten Monat in Folge gesunken – die längste Dursttrecke seit der deutschen Wiedervereinigung. Derzeit zehren die Firmen noch am Orderboom der vergangenen Jahre. Langsam lichten sich aber die Auftragsbücher. Während Analysten bislang nur ein schwaches zweites Quartal prophezeien, könnte Deutschland schon zum Jahreswechsel am Rande einer Rezession stehen (oder sogar mittendrin stecken). Für die Gewinnentwicklung der Unternehmen verheißt das nichts Gutes. Die anstehende Berichtssaison dürfte schwierig werden.

In diesem Sinne

Wolfgang Braun

Wolfgang Braun ist Chefredakteur des „Global Performance“. Der seit 1999 erscheinende Börsenbrief hat sich auf deutsche Wachstums-Aktien spezialisiert. Dank einer ausgefeilten und bewährten Anlagestrategie schlägt das Musterdepot die Vergleichsindizes deutlich. So schaffte das Wachstumswerte-Depot seit seiner Auflegung im März 1999 eine durchschnittliche jährliche Performance von rund 18 Prozent – obwohl in diesen Zeitraum der dramatische Niedergang des Neuen Marktes fällt. Weitere Informationen unter www.globalperformance.de.

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